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Anna Gourari: Man kann sich jenen anschließen, die in ihrem Spiel "an die sprechende Zartheit" der jungen Clara Haskil erinnert

Die schöne Anna Gourari zaubert mit den Nachtstücken
Wer vor den Jury-Ohren von Martha Argerich, Vladimir Ashkenazy, Nelson Freire, Alexis Weissenberg besteht, deren Karriere ist beschlossene Sache. Anna Gourari aus dem russischen Kasan hat eingelöst, was man von ihr erwartete. Der seit 1990 in Deutschland lebenden Pianistin wird mystisches Klavierspiel nachgesagt. Mit ihrer jüngsten CD kommt Gourari dieser Einschätzung nach. 15 Nocturnes von Komponisten, die in poetischer Weise ihre nächtlichen Kreise ziehen, haben in der Preisträgerin des renommierten Clara-Schumann-Wettbewerbes eine kongeniale Verbündete. Anna Gourari hebt nicht ab, aber sie scheint mit ihren Händen über den Tasten zu schweben. Fördert für die generelle Thematik der Nachtstücke die unterschiedlichen Nuancen zu Tage.
Mag das Nocturne Nr. 5 des Engländers John Field die Saiten des nachfolgenden Chopin (Nocturne Nr. 9/1) aufklingen lassen, so ist der Aktionsradius der Pianistin weit genug, um beide Stücke voneinander abzugrenzen. Für Samuel Barber wandelt sie erkennbar auf den Spuren eines John Field, dem das Nocturne gewidmet ist. Francis Poulenc umschreibt sie mit französischem Esprit, im 1. Nocturno von Villa-Lobos ist Chopin gegenwärtig, für Debussy skizziert sie dessen changierende Klangwelt.
Bei Hindemiths 3. Nachtstück scheint die neoklassische "geheime Sprache der Töne" wie aufgeschlossen. In Clara Schumanns 2. Notturno will man die Nähe von Brahms heraushören. Und bei dem Argentinier Astor Piazzolla schimmert das Tango-Element mit. Anna Gourari: Man kann sich jenen anschließen, die in ihrem Spiel "an die sprechende Zartheit" der jungen Clara Haskil erinnert. (Anna Gourari: Nocturnes. Decca)
hr, Südkurier 05. Dezember 2003


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