St. Louis (France) — Das „Espace d’Art Contemporain Fernet-Branca“ im französischen St. Louis ist – zumal abends um elf Uhr – nicht gerade gut zu erreichen. Wer dennoch den Weg dorthin fand, kam in den Genuss de Klavierspiels von Anna Gourari, die innerhalb von „Les Muséiques“ ein Recital gab.
Mit einem Notturno von Clara (Schumann-)Wieck, Robert Schumanns „Papillons“ sowie eine Chopin-Nocturne begann das Nachkonzert noch ganz zart und träumerisch, bis dann dieser erste, romantische Teil in einem entfesselten Klangrausch gipfelte: im Scherzo Nr. 2 in b-Moll von Frédéric Chopin glänzte Gourari mit einer atemberaubenden Virtuosität und gestaltete das Werk durch sehr frei genommene Tempi, spannungsgeladene Zäsuren und dynamische Extreme zu einem zerklüftenen und farbigen Stück echter Romantik.
In starkem Kontrast dazu die fünfsätzige Suite „1922“ (op. 26) von Paul Hindemith, auf deren harte und oft grelle Klänge des Adjektiv „modern“ wie kein anderes passt. Auch hier bot die junge Pianistin alle Kräfte auf und erzielte mit einem manchmal bis an die Grenze des Erträglichen reichenden Klangvolumen eine überwältigenden Wirkung.
Vom künstlerischen Standpunkt aus also ein mitreissende Veranstaltung!
Basler Zeitung, 11. April 2005
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